Tarifverhandlungen Vivantes Töchter

19. Juni 2026, Berliner Krankenhausratschlag: Als dieses Video entsteht, stehen die Tarifverhandlungen für die Vivantes-Tochterunternehmen kurz vor ihrem Abschluss. Hinter den Beschäftigten liegen mehr als 60 Tage Erzwingungsstreik – einer der längsten Arbeitskämpfe im Berliner Krankenhausbereich. Ihr Ziel ist die vollständige Gleichstellung mit den Beschäftigten des Vivantes-Mutterkonzerns: gleicher Lohn, gleiche Arbeitsbedingungen und gleiche soziale Absicherung.

Das zu diesem Zeitpunkt vorliegende Angebot sieht eine schrittweise Angleichung der Entgelte an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bis Juli 2031 vor. Für viele Streikende bedeutet das weitere Jahre mit Einkommen, die angesichts steigender Lebenshaltungskosten kaum ausreichen. Eine Beschäftigte der Tochtergesellschaft VivaClean beschreibt ihre Situation so:

„Ich arbeite acht Stunden und ich habe kein Geld in der Tasche: Miete, Strom, Monatskarte, Schule – und kein Geld. Alles ist teurer und der Lohn ist gleich. Ich brauche 100 Prozent, sofort.“ (aus dem Video)

Am 23. Juni 2026 einigten sich Vivantes und ver.di auf einen Tarifabschluss, der den mehr als 60 Tage dauernden Arbeitskampf vorerst beendete. Der Tarifvertrag gilt für rund 2.200 Beschäftigte der Tochtergesellschaften in den Bereichen Gastronomie, Logistik, Reinigung, Technik, Rehabilitation und den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Er sieht vor, die Tabellenentgelte bis Juli 2031 schrittweise auf 100 Prozent des TVöD anzuheben. Darüber hinaus umfasst er eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich, höhere Zulagen für Schicht- und Wechselschichtarbeit sowie den Erhalt der Jahressonderzahlung. Der Tarifvertrag endet am 31. Dezember 2031.

Der Tarifabschluss ist ein wichtiger Erfolg der Beschäftigten. Zugleich bleibt er ein Kompromiss. Die vollständige Gleichstellung mit den Beschäftigten des Mutterkonzerns wird erneut auf Jahre verschoben. Zudem enthält die Einigung weiterhin keine betriebliche Altersversorgung (VBL), wodurch die Unterschiede zwischen den Tochtergesellschaften und dem Mutterkonzern fortbestehen – mit langfristigen Folgen für die soziale Absicherung im Alter.

Der Arbeitskampf der Vivantes-Töchter macht die Folgen von Ausgliederung und tariflicher Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen wahrnehmbar. Der Tarifabschluss markiert deshalb nicht das Ende dieses Konflikts, sondern einen wichtigen Zwischenschritt. Der Streik ist beendet, doch der Kampf gegen die Zwei-Klassen-Belegschaft und für gleiche Arbeitsbedingungen innerhalb des öffentlichen Krankenhauskonzerns geht weiter.

Team: Labournet TV
vivantes

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